Adveniat regnum tuum

Die liberalkatholische Kirche entstand aus einer Mission der Alt-Katholischen Kirche, die 1908 nach London kam. Es ist deshalb vor allem notwendig, über Wesen und Geschichte der Alt-Katholischen Kirche zu berichten.

DIE ALT-KATHOLISCHE KIRCHE

Den Namen «Alt-katholisch» tragen Kirchen in mehreren Ländern, besonders in Holland, Deutschland und der Schweiz. Die deutsche und die schweizerische Kirche trennten sich nach dem ersten Vatikanischen Konzil (1869/70) von der Römischen Kirche. Dies war zum großen Teil das Ergebnis einer starken Opposition seitens einer Anzahl hervorragender Geistlicher und Theologen gegen die von diesem Konzil vorgenommene Annahme der Lehre von der Unfehlbarkeit des Papstes und der Verkündung dieser Lehre durch Papst Pius IX. Die Gläubigen der Römischen Kirche, die sich - ermutigt durch den gelehrten Theologen Dr. Döllinger aus München - auf diese Weise lossagten, betrachteten sich als wahre oder «alte» Katholiken zum Unterschied von denjenigen, welche die neuen und nach ihrer Meinung unhaltbaren Lehren des Konzils von 1869/70 angenommen hatten.

Die Alt-Katholiken aus Holland oder die Alt-römisch Katholische Kirche, wie sie sich nannten, hatten schon eine viel längere, besondere Geschichte. Diese Kirche, die von dem angelsächsischen Missionar Willibrord gegründet worden war, wurde zu Beginn des 18. Jahrhunderts von Rom unabhängig, vorwiegend als Ergebnis des Streites zwischen den Jansenisten und den Jesuiten. Sie konnte jedoch die Apostolische Nachfolge beibehalten, denn sie hatte Bischöfe, die den Anspruch erheben konnten, ihre heiligen Weihen in ununterbrochener Folge von den Aposteln erhalten zu haben; diese Weihen konnten sie dann weitergeben. Dadurch waren sie in der Lage, den Altkatholischen Kirchen von Deutschland und der Schweiz die Apostolische Nachfolge weiterzugeben, als diese sich von der Römisch-Katholischen Kirche trennten. und schließlich auch der Liberalkatholischen Kirche. Demgemäß ist die Gültigkeit ihrer heiligen Weihen niemals ernsthaft von den römi-schen Theologen bestritten worden, obgleich die verschiedenen Alt-Katholischen Kirchen von den jeweiligen Päpsten exkommuniziert wurden.

Die Alt-Katholischen Kirchen haben teilweise verschiedene Bräuche. Zum Beispiel haben die holländischen Alt-Katholiken den Zölibat der Geistlichen lange Zeit beibehalten (bis 1930), während die Kirchen der anderen Länder dies nicht taten. Die Schweizer und Deutschen Alt-Katholiken verwendeten die Landessprache in ihrer Liturgie lange bevor die Römische Kirche die Messe in der Landessprache zu halten begann; dagegen behielt die holländische Kirche die lateinische Messe länger bei. Die Alt-Katholiken erklärten sich jedoch damit einverstanden, den Papst als einen der Patriarchen der Kirche anzusehen, während sie ihm keine Autorität über die ganze Kirche zugestanden. Die Form des Römischen Ritus haben sie bei ihren Gottesdiensten im Wesentlichen beibehalten. Einige Zweige der Alt-Katholischen Kirche haben die Ohrenbeichte verworfen, aber im Übrigen welchen die Grundlehren der Alt-Katholischen Kirchen, obgleich sie ziemlich streng sind, nicht sehr von denjenigen der Römisch-Katholischen Kirche ab. Der Hauptunterschied war Freiheit von der Autorität Roms. Und diese - zusammen mit der Apostolischen Nachfolge - war es, was von der Mission angeboten wurde, die Arnold Harris Mathew im Jahre 1908 nach London brächte.

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